FORSCHUNG

Folgende Schwerpunkte bestimmen aktuell mein Forschungsinteresse und die inhaltliche Ausrichtung der von mir verantworteten Lehrformate.

Materialität, gestalterische Urteilsfähigkeit und Künstliche Intelligenz

Die kunstpädagogische Auseinandersetzung mit generativer KI wird bislang überwiegend bild- und bildschirmbezogen geführt. Mein aktuelles Forschungsvorhaben (Arbeitstitel: ACCESS TO TOOLS ) fragt demgegenüber, was der Eintritt von KI-Systemen in materielle Gestaltungs- und Werkstattprozesse für Kunstvermittlung bedeutet und welche Potenziale mit diesem verbunden sein können. Im Anschluss an Tim Ingolds Verständnis des Machens als Korrespondenz und Donna Haraways Konzept des situierten Wissens entwickle ich in diesem Zusammenhang den Begriff eines situierten Könnens.

Meine Arbeitsthese lautet, dass KI-Systeme bildend wirken können, wo sie in die Korrespondenz mit Material und konkreter gestalterischer Situation hineinführen und als ‚drittes Ding,‘ im Sinne Jacques Rancières, produktiv in diese einwirken – und de-skillend dort, wo sie diese Korrespondenz ersetzen. Untersucht wird dies von mir lehrbezogen anhand von Prompt-Verläufen, Materialdokumentationen und Selbstaussagen aus hochschulischen Werkstattsituationen.

Ein Exposé stelle ich auf Anfrage gern zur Verfügung.

Partizipation und postdigitale Bildkultur

Dieser Schwerpunkt meiner Arbeit verbindet kunstpädagogische und kunst- und medienwissenschaftliche Fragen und untersucht kollektives, plattformgebundenes Bildhandeln als gleichzeitig gestaltende wie verstehende Praxis. Die Analyse exemplarischer Bildphänomene zeigt dabei: Der plattformgestützte kollaborative Umgang mit Bildern im Netz ist eine eigenständige, kulturell und politisch einflussreiche Form ästhetischer Praxis, in der individuelles Wahrnehmen und kollektive Aushandlung in permanentem Wechselspiel stehen.

Ich vertrete die Position, dass eine gegenwartssensible Kunstpädagogik diese Dynamiken und die zugrundeliegenden strukturellen Veränderungen des Bildumgangs selbst zum Gegenstand zu machen muss. Tragfähig wird das in Vermittlungssettings, die plattformgebundene Bildlogiken gleichermaßen kritisch reflektieren wie auch die Erfahrung gemeinsamer ‚Sinnproduktion‘ an und mit Bildern lustvoll einüben.

Ausführlicher entwickelt ist dieser Zusammenhang in meinem aktuellen Beitrag Kunstpädagogik im digitalen Archipel. Eine Betrachtung kollaborativer Bildkulturen im Netz, in: Johanna Tewes und Gesa Krebber (Hg.): Stabiles Zittern. Transformative Praktiken in Art Education, München: Kopaed 2026.

Ästhetische Praxis und Demokratiebildung

In einem weiteren Zweig meiner Tätigkeit beschäftige ich mich aktuell mit der Frage des Potenzials ästhetisch-gestalterischer Prozesse für Vermittlungssituationen in der demokratischen Bildung. Ausgangspunkt dieses Interesses stellt meine Arbeit mit Schüler*innen im Rahmen des Projekts Grafeneck – Münster // 1940 – heute dar. (Projektleitung: Prof. Jochen Bonz, gefördert von der Stiftung EVZ)

Die workshopförmigen Angebote mit Schulklassen, die einen zentralen Teil des Projekts ausmachten, ermöglichten es Jugendlichen unterschiedlichen Alters, sich gerahmt durch die Beschäftigung mit künstlerischen Arbeiten, dem persönlichen Gespräch mit themenbezogen künstlerisch Tätigen sowie durch offene und materialgestützte gestalterische Arbeitsphasen, mit den an Zeitdokumenten geschichtspädagogisch vermittelten Inhalten zu den Euthanasie-Verbrechen im Jahr 1940 auseinanderzusetzen. Mein Ansatz geht dabei von der Annahme aus, dass ästhetische Praxis Erfahrungsräume eröffnet, in denen sinnlich, materialbezogen und reflexiv eine Beziehung zwischen der eigenen Gegenwart und historischen Wirklichkeiten hergestellt werden und so, im Nebeneinander von historischer Distanz und gegenwärtiger Verantwortung, demokratischer Urteilsfähigkeit entwickelt und gestärkt werden kann.