Allgemein

  • Abschlusstagung Grafeneck

    Abschlusstagung Grafeneck

    In den letzten Tagen fand die Abschlusstagung des Projekts ‚Grafeneck – Münster // 1940 – heute: Kulturpädagogik am Schnittpunkt von Gedenkstättenpädagogik, Sozialer Arbeit und ästhetischer Praxis‘ statt und versammelte die so verschiedenen (und doch gleichermaßen bedeutsamen) Akteur*innen von den vielen Schauplätzen des Projekts. 

    Mein Beitrag bestand darin, unseren kunstpädagogischen Ansatz für die Workshops mit Schüler*innen vorzustellen, die in den vergangenen Monaten stattgefunden haben. Ich hab mich sehr über die Gelegenheit gefreut, meine Überlegungen in Sätze zu gießen und auch über das positive Feedback und die Inspiration aus den Gesprächen im Nachgang.

    Ein ganz besonderer meiner Workshops- nämlich der mit Schüler*innen der 9. Klasse der Hauptschule Coerde – ging von der Beschäftigung mit Diane Samuels Arbeit ‚The Alphabet Garden’ an der Gedenkstätte Grafeneck aus und fand – in Anwesenheit der Künstlerin!- unter anderem auf dem Erntezeit-Acker am Hoppengarten statt.

    Schön, dass gerade dieser mit seinem Ablauf und vor allem mit den tollen Fotos von Nikolai Wolff in der Handreichung zur kulturpädagogischen Auseinandersetzung mit den NS-Verbrechen an Menschen mit Behinderung und psychischen Erkrankungen, die im Rahmen des Projekts veröffentlicht wurde, dokumentiert ist. 🙂

  • Beyond the Rabbit Hole. Kunstpädagogische Perspektiven auf Bildkulturen im Netz

    Beyond the Rabbit Hole. Kunstpädagogische Perspektiven auf Bildkulturen im Netz

    Seminar im WS 25/26 an der Universität Osnabrück

    Semesterstart mit meinem Seminar ‚Beyond the Rabbit Hole’ an der Uni Osnabrück, das sich mit kunstpädagogischen Perspektiven auf emergente Bildkulturen im Netz beschäftigt und mit einer großen Gruppe von offenen, diskursfreudigen und engagierten Studierenden.

    Beim Sammeln der individuellen POVs am Anfang wird schnell (und ziemlich heftig) deutlich, was mir auch an anderer Stelle in Gesprächen mit Studierenden und Schüler*innen begegnet: Eine krasse Desillusionierung im Blick auf die eigene Selbstbestimmtheit in der Mediennutzung, das Gefühl von Erschöpfung und Distanz zum Content bei gleichzeitiger Unfähigkeit, die Aufmerksamkeit von diesem zu lösen. 
    Sounds familiar?

    Was sich vor wenigen Semestern noch als eine bunte Mischung aus vagem Alltagsinteresse, ästhetischer Neugier und ungezähmten Nerdtum auf Seite der Studierenden zeigte, hat sich zunehmend in eine – insert Kierkegaard 😉 – ‚ohnmächtige Verzweiflung an der Überfülle der Welt‘ gewandelt, in der eine positive Selbstverortung immer weniger möglich erscheint.

    Die Gründe für diesen Stimmungsumschwung sind irgendwie auch naheliegend: Kommerzialisierung und fehlender Zugriff auf algorithmische Kuration der Plattformen, massive Zunahme von KI-generiertem Slop und eine Verschiebung von kollektiven Online-Erfahrungen hin zu fragmentierten Filterblasen. 

    Diese postdigitale Ambivalenzerfahrung zwischen Faszination und Überdruss, Kontrolle und Kontrollverlust, Spiegel- und Distanzerfahrung, die die Positionen der Studierenden abbilden, stellt aber gleichzeitig auch den „Point Of View“ dar, der den Ausgangspunkt einer gegenwartssensiblen Kunstpädagogik markieren könnte. 

    Mit den übersättigten Oberflächen als Material und den Plattformen als informellen Lernorten, an und mit denen eine produktive und kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Erfahrung stattfinden kann und Handlungsspielräume zurückgewonnen oder – besser noch – neu erschlossen werden können.

  • Kunstpädagogik und Demokratiebildung

    Kunstpädagogik und Demokratiebildung

    Heute war ich wieder mit einem kunstpädagogischen Angebot an einem Workshop-Tag im Rahmen des @projekt_1940_heute beteiligt – diesmal mit Schüler*innen der 8. Klasse des Pascal Gymnasiums Münster. 

    Unser Workshop beschäftigte sich – entlang der Biografien von zwei jugendlichen Opfern der Euthanasieverbrechen im dritten Reich und anhand von Zeitdokumenten – nicht nur mit der Frage, wie es überhaupt dazu kommen konnte, sondern eben auch damit, wo in unserem Alltag Ausgrenzung und Abwertung stattfinden und normalisiert werden, was man dagegen machen kann und – und das wurde sehr deutlich von den Schüler*innen angesprochen – wie Kriege und rassistische Gewalt auch heute unsere Welt prägen.

    Beim Arbeiten mit Zeichenkohle und mit gefundenen natürlichen Materialien gab es dann Raum, mit ungewöhnlichen Möglichkeiten zu experimentieren um Spuren zu hinterlassen, dem eigenen Erleben nachzuspüren und auch ganz deutlich Haltungen zum Ausdruck zu bringen.

    Ich freu mich total, wieder mit dabei gewesen zu sein, mich von der Ernsthaftigkeit und Offenheit der Schüler*innen beeindrucken lassen und meinen (kleinen) Beitrag zu so einer wichtigen Aufgabe leisten zu können.

  • Slop-Arts-Education? KI als neue Akteurin im Umgang mit Bildern

    Slop-Arts-Education? KI als neue Akteurin im Umgang mit Bildern

    Das bin ich Anfang des Jahres 2023 beim Test des damals noch ganz neuen bildgenerierenden KI-Modells Dall-e. Der Prompt: ‘Ich als Cowboy.’

    Aus heutigem Blick wirkt das schon vergleichsweise ‚vintage‘ und irgendwie auch harmlos, angesichts der so offensichtlichen Collagiertheit des Bildes. 

    Wie wird aber der massiv generierte, oft ästhetisch oder inhaltlich redundante AI-‚Slop’ in Sozialen Medien, der mit den Möglichkeiten in den Vordergrund drängt, die das neue Sora (OpenAI) und die Plattform Vibes (Meta) bieten, unsere kulturelle und politische Landschaft verändern? (🔜 Gefragt von mir mit einer gewissen Dringlichkeit, angesichts der AI-Video-Faszination des gegenwärtigen Weißen Hauses).

    Mich interessiert „Slop“ vor allem als Ausdruck einer Überproduktionsästhetik: 
    Ist Slop das kulturelle Äquivalent zur industriellen Massenware im Zeitalter des Spätkapitalismus (siehe Horkheimer, Adorno)- etwas, das die Bedeutsamkeit von Handgemachtem, Materiellem, tatsächlich Erfahrenem kontrastiert und damit unwillkürlich letztendlich aufwertet? 

    Wie gestaltet sich in Zukunft das Verhältnis von kuratierenden und algorithmischen Positionen?
    Wird es zum Beispiel sowas wie ‚Post-Slop-Art‘ geben?

    Und wie arrangiert sich letztlich Kunstpädagogik mit dem Moment der Aushandlung mit KI als ästhetischer Akteurin?

  • Materialitäten in der Kunstpädagogik

    Materialitäten in der Kunstpädagogik

    Ich habe gestern die Zeit genutzt, um mir die aktuelle Ausstellung von Eve Tagny im Westfälischen Kunstverein anzusehen- noch kurz bevor sie wieder schließt. 

    Besonders beeindruckt hat mich der sensible Umgang mit dem Material- als Träger von Erinnerung und Verweis auf Körperlichkeit.

    Vor diesem Hintergrund denke ich gerade neu über den Workshop nach, den ich in der kommenden Woche mit Münsteraner Schüler*innen in Zusammenarbeit mit dem @projekt_1940_heute gestalten werde. 

    Ich finde es dabei wichtig, dem Material eine aktive Rolle zukommen zu lassen, in der die Widerstände die es bietet und die sinnlichen Erfahrungen, die mit ihm verbunden sind, bewusst aufgenommen und eingesetzt werden können.

  • Schwellenräume. Plessner revisited

    Schwellenräume. Plessner revisited

    Im Nachgang der Sozietätstagung in Bremen und an der technologischen Schwelle um KI und bald vielleicht – who knows – A(G)I, einige Gedanken zu unserem meist eher dysfunktionalen Verhältnis zu Natürlichkeit- unsere eigene Körperlichkeit mitgedacht:

    Vor einem knappen Jahrhundert formuliert Helmuth Plessner:
    „Deshalb ist der Mensch ‚von Natur‘ künstlich und nie im Gleichgewicht. Deshalb kommt ihm jede Unmittelbarkeit nur in einer Vermittlung, jede Reinheit nur in einer Trübung, jede Ungebrochenheit nur in einer Brechung zustande.“

    Das Zitat wirkt zunächst in einem leicht angestaubten Sinne anthropozentrisch – ein Kreisen um die Befindlichkeit des Menschen während gleichzeitig, wie im ‚Everything is Fine‘-Meme, die Hütte quite literally in Flammen steht.

    Der Gedanke einer ‚Natürlichen Künstlichkeit‘ als einer irgendwie schmerzlich-sehnsüchtigen Conditio Humana hat mich dennoch in den vergangenen Wochen und mit in die Tagung begleitet.

    So wie die künstlichen Grotten in Renaissancegärten, mit ihren geführten Wasserläufen und den gegipsten Stalaktiten als Schwellenort fungieren sollten, an dem sich diese (vermeintlich) natürliche Welt, bevölkert von fantastischen Naturwesen, mit der kulturellen Wirklichkeit ihrer Besucherin überschneidet – ein Portal -benötigen wir, folgt man Plessners Argumentation, immer der Vermittlung und der mit ihr verbundenen kulturellen Brechung, um ‚Natur‘ als Erfahrungsraum erleben und uns mit ihr gefühlt connecten zu können – einem medial vermittelten Schwellenraum, der unsere körperliche Verfasstheit – als Ausgangspunkt der erlebten Kinship zu der uns umgebenden ‚Natürlichkeit’ – und unsere in technologischer Beschleunigung begriffene kulturelle Wirklichkeit überlappen und gemeinsam scheinbar ‚Sinn machen‘ lässt.

    Wenn ich vor diesem theoretischen Hintergrund über die Rolle von Kunstpädagogik im Kontext von Nachhaltigkeit und Klimakrise nachdenke, stellt sich für mich die Frage nach den ‚künstlichen Grotten‘ der Gegenwart – Orte, die gerade durch ihre artifiziellen Rahmungen ‚fremdartig‘ und weird enough erscheinen, um uns ein Neudenken unserer Beziehung zur Welt abzuverlangen.

  • Stabiles Zittern

    Stabiles Zittern

    Ganz viele spannende Gespräche und Anregung habe ich von der Jahrestagung der Wissenschaftlichen Sozietät Kunst Medien Bildung ‚Stabiles Zittern_Transformative Praktiken in Art Education‘ die ausgerichtet von Gesa Krebber und Johanna Tewes an der Kunstakademie Münster stattfand, mitgenommen.

    Welche Rolle spielt das ’nicht-domestizierte‘, kollektive Bildhandeln im Netz für die kunstpädagogische Praxis? Darum ging es maßgeblich in meinem Beitrag zu partizipativen Gestaltungsstrategien im Netz und ihrer Bedeutung für eine Kunstpädagogik der Gegenwart. Ausgewählte aktuelle Phänomene wurden dazu in Beziehung zu kunstnahen Strategien (wie u.a. das Sammeln, Abstrahieren, Verbinden, Verdichten und Erweitern von Bildern) gesetzt und auf die ihnen zugrundeliegenden Entstehungsdynamiken hin untersucht.

    Dank der unterschiedlichen Hintergründe und Expertisen der Teilnehmenden hat mein Workshop auch für mich selbst viele neue Perspektiven eröffnet.

  • Offenes B-Side-Atelier

    Offenes B-Side-Atelier

    Gemeinschaftsausstellung im Rahmen des B-Side Festivals

    Am 20. und 21.09. findet im alten Hill-Speicher am Münsteraner Hafen das B-Side-Festival statt. Dort arbeite ich seit einigen Wochen zusammen mit neun weiteren bildenden Künstler*innen im großzügigen Atelierraum an verschiedenen Projekten.

    Wer neugierig ist, was in sich in der alten/neuen B-Side jetzt so tut, kann am kommenden Wochenende dort im bunten Trubel des Festivals auch einen Blick ins Offene Atelier werfen.

  • Aktuelle Kunst meets Lehrplan

    Aktuelle Kunst meets Lehrplan

    Die Abiturvorgaben für das Fach Kunst im Land NRW sehen in der Oberstufe die Beschäftigung mit dem Installationen und Plastiken Louise Bourgeois als ‚Konstruktionen von Erinnerung‘ vor. Im Zuge der vom Institut für Kunst und Kunsttheorie der Universität Köln und unter Leitung von Kristin Klein und Konstanze Schütze veranstalteten Lehrerinnenfortbildung Postdigitale Medienkultur in der Schule: Aktuelle Kunst meets Lehrplan erprobten wir unter anderem im Rahmen eines von mir geplanten Workshops, inwiefern eine Annäherung an eine solchen – durch gestalterische Mittel erzeugte – Konstruktion von Erinnerung auch (sozusagen über Bande gespielt) durch die Thematisierung von Prozessen von Auslöschen und Auflösung in digitalen Medienformaten möglich ist.

  • Yes! Gewonnen.

    Yes! Gewonnen.

    Die ausdauernde und engagierte Arbeit an dem Projekt Smarte Klamotte im vergangenen Schuljahr hat sich für die Schülerinnen der Klasse 6d ausgezahlt. Beim diesjährigen Kick-Wettbewerb der Stadtwerke Münster, bei dem innovative Schulprojekte gekürt werden, haben wir mit den im Kunstunterricht phantasievoll und mit viel Erfinder*innengeist entwickelten, technisch modifizierten Kleidungsstücken den zweiten Preis gewonnen.

    Wer mehr wissen will, kann das im Magazin zum Wettbewerb genauer nachlesen:

    https://www.stadtwerke-muenster.de/fileadmin/kick/magazin/KICK-Magazin_2020.pdf