Seminar im WS 25/26 an der Universität Osnabrück
Semesterstart mit meinem Seminar ‚Beyond the Rabbit Hole’ an der Uni Osnabrück, das sich mit kunstpädagogischen Perspektiven auf emergente Bildkulturen im Netz beschäftigt und mit einer großen Gruppe von offenen, diskursfreudigen und engagierten Studierenden.
Beim Sammeln der individuellen POVs am Anfang wird schnell (und ziemlich heftig) deutlich, was mir auch an anderer Stelle in Gesprächen mit Studierenden und Schüler*innen begegnet: Eine krasse Desillusionierung im Blick auf die eigene Selbstbestimmtheit in der Mediennutzung, das Gefühl von Erschöpfung und Distanz zum Content bei gleichzeitiger Unfähigkeit, die Aufmerksamkeit von diesem zu lösen.
Sounds familiar?
Was sich vor wenigen Semestern noch als eine bunte Mischung aus vagem Alltagsinteresse, ästhetischer Neugier und ungezähmten Nerdtum auf Seite der Studierenden zeigte, hat sich zunehmend in eine – insert Kierkegaard 😉 – ‚ohnmächtige Verzweiflung an der Überfülle der Welt‘ gewandelt, in der eine positive Selbstverortung immer weniger möglich erscheint.
Die Gründe für diesen Stimmungsumschwung sind irgendwie auch naheliegend: Kommerzialisierung und fehlender Zugriff auf algorithmische Kuration der Plattformen, massive Zunahme von KI-generiertem Slop und eine Verschiebung von kollektiven Online-Erfahrungen hin zu fragmentierten Filterblasen.
Diese postdigitale Ambivalenzerfahrung zwischen Faszination und Überdruss, Kontrolle und Kontrollverlust, Spiegel- und Distanzerfahrung, die die Positionen der Studierenden abbilden, stellt aber gleichzeitig auch den „Point Of View“ dar, der den Ausgangspunkt einer gegenwartssensiblen Kunstpädagogik markieren könnte.
Mit den übersättigten Oberflächen als Material und den Plattformen als informellen Lernorten, an und mit denen eine produktive und kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Erfahrung stattfinden kann und Handlungsspielräume zurückgewonnen oder – besser noch – neu erschlossen werden können.
